Rollenspielchen für Promovierende
Posted by Nadine Kämper under Expeditionen, Promotion | Permalink | | Leave A Comment
In unserem Lehrexzellenzprojekt an der FH Köln dreht sich sehr viel um außerfachliche Kompetenzen für Studierende. Das weckt natürlich auch selbst Interesse daran, mal zu sehen, wo man denn selber steht und was man da (weiter) machen kann. An der UDE, wo ich promoviere, werden z.B. im Rahmen der Herbstakademie und auch während des Semesters einige Seminare angeboten, eines davon habe ich die letzten zwei Tage besucht und zwar “Führen und Kommunikation”. Zu Kommunikation im Berufsalltag hatte ich zuvor schon eines bei der Herbstakademie besucht und war davon sehr angetan.
Da ich schon viele Chefs hatte, habe ich mir schon öfter die Frage gestellt, wie führt man denn ein Team, eine Abteilung, etc. gut? Wie würde ich das machen, wenn ich mal eine echte Teamleitung bekäme? Einige Antworten stellten sich im Laufe des Seminares “Führen und Kommunikation” ein.
Thematisiert wurden u.a.
- Aufgaben einer Führungskraft, deren Rollenverständnis
- Grundsätzliche persönliche Leitmotive
- Führungsstile
- Methoden der Gesprächssteuerung
Aber das beste war eigentlich, sein Führungsverhalten in einem Rollenspiel auszuprobieren und dazu Feedback zu bekommen. Am ersten Tag wollten noch drei Leute (alles Frauen) das Rollenspiel durchführen, zeitlich war es aber nur bei einer möglich. Zur Vorbereitung gab es eine Situationsbeschreibung mit Hintergrundinformationen. Eine der drei Freiwilligen soltle eine Abteilungsleiterin spielen, die ein Mitarbeitergespräch mit einer untergebenen Teamleiterin führen sollte. Diese Teamleiterin hatte laut Beschreibung erhebliche Defizite in Sachen Führungskompetenz, war sehr egozentrisch und behandelte ihre Team nicht gut. Und plötzlich traute sich nur eine Person, das Rollenspiel durchzuführen. Neugier überwog Vorbehalte.
Ich spielte also das Spielchen mit unserer Trainerin als schwierige Teamleiterin. Die Beobachter waren sofort vergessen, da sie die egozentrische Teamleiterin sehr überzeugend spielte. Es war ziemlich anstrengend, sie auf meine Agenda zu lenken und schließlich ein zufriedenstellendes Gesprächsergebnis zu erzielen. Ziel erreicht, aber einige Argumente, mit der ich das Gespräch schneller zum Ziel hätte bringen können, fielen mir im Eifer des Gefechts partout nicht ein. Ein paar klare Hard Facts. Irgendwie schaffte ich es viel mehr mit aktivem Zuhören, nicht provozieren lassen, Vorschläge machen und hartnäckig zurück auf’s Thema lenken.
Eine zuvor gelernte Sache wendete ich leider weniger stark an: Fragetechniken. Wer fragt, der führt. Nur dann, wenn ich von den Gegenargumenten völlig irritiert war, habe ich Fragen gestellt.
Das Feedback der Beobachter war dann wieder sehr hilfreich.
Besonders gut fanden sie, dass ich sehr “deeskalierend” agiert hatte, also mich nicht habe provozieren lassen und immer wenn meine Gesprächspartnerin sehr emotional wurde, Vorschläge unterbreitet habe, die zum Einlenken führten.
Es wäre hier ein ein bisschen autoritärer Führungsstil passender gewesen. Habe deshalb zwischendurch mehrfach die Gesprächsführung verloren. Autoritär führen (wo es passt) müsste ich tatsächlich noch lernen, das liegt mir zunächst mal nicht, aber dafür war ich authentisch
Alles in Allem war es ein sehr spannendes Seminar, so etwas habe ich im Studium eben auch nie gehabt. Gerade als Doktorand schaut man da auch mal wieder über den eigenen fachlichen Tellerrand hinaus.



