Kleiner Einschub: Reiseinteressen

Inspiriert durch einen Blogpost mit dem Titel „Geständnisse eines introvertierten Reisenden“ möchte ich auch einmal beschreiben, warum ich lieber Naturerlebnisse statt Partys an Palmenstränden bevorzuge. Ganz einfach, ich bin ebenfalls eher introvertiert und mit großen, lauten Gruppen etwas zu unternehmen, kostet mich unglaublich viel Energie. Allein reisen tue ich zwar nicht, aber bisher am liebsten mit maximal 1-2 Bezugspersonen. Eine große Herausforderung für introvertierte Reisende ist z.B. die Riviera Maya, wo ich letztes Jahr mit meinem Mann war. Einerseits gibt es unglaublich spannende Dinge in der Natur zu sehen, nämlich die Cenoten und eine interessante Tierwelt im Dschungel. Andererseits lag unsere Tauchbasis in Playa del Carmen, ein Touristenzentrum an der Riviera Maya. Party wird dort sehr groß geschrieben. Die extrovertierte Welt erwartet, dass jemand, der nach Playa del Carmen reist, dort vor allem Party macht. Bis tief in die Nacht mit viel Alkohol. Da liegt nun mal nicht mein Interesse und außerdem verträgt sich das unglaublich schlecht mit dem Tauchen. Freie Zeit ist mittlerweile ein kostbares Gut und die verbringe ich lieber mit etwas, was mir wirklich Spass macht. Tauchen ist gerade für Introvertrierte eine wunderbare Sache, bei der man entspannen und Energie tanken kann. Mit Atemregler im Mund ist Small Talk unmöglich 😉 Kommunikation konzentriert sich auf das Wesentliche. Allerdings kann der Weg bis ins Wasser und danach wiederum ziemlich anstrengend sein. Beim Tauchen in Gebieten mit vielen US-amerikanischen Gästen erwarten diese nach dem Tauchgang, dass jeder sagt, er sei „GREAT! AMAZING! MARVELOUS!“ gewesen. Also, dass man seine Begeisterung in die Gegend schreit. Da komme ich mir bisweilen ziemlich doof bei vor und sage einfach nur „Ja, war gut.“. Dabei werde ich dann ziemlich schräg angeschaut, weil ich nicht total ausflippe vor Freude. Ich drücke die Begeisterung lieber nach etwas mehr Reflexion mit Fotos in einem Blogpost aus.

Auch die diesjährige Brasilienreise war wieder so eine Introvertiertenreise auch wenn sie aufgrund der knappen Zeitplanung zunächst nicht ganz ins Bild passt. Die Ziele hingegen schon: Naturerlebnisse in kristallklarem Wasser, Wanderungen auf Hochebenen mit tiefen Wasserfällen, mit nur drei Leute durch eine Höhle klettern. Mit dieser Reise geht es im nächsten Post weiter.

3000 km von Südwesten nach Nordosten

Brasilien ist ein sehr großes Land. Je nachdem, welche Reisestationen man wählt, ist man sogar mit dem Flugzeug fast 2 Tage unterwegs. Von Bonito in Mato Grosso do Sul wollten wir weiter nach Lençois in der Chapada Diamantina, einem ehemaligen Diamantenabbaugebiet. Sowohl rund um Bonito als auch rund um Lençois gibt es viele Gotten und Höhlen sowie klares Wasser. Das war das Thema, was uns bei der diesjährigen Brasilienreise reizte. Dummerweise liegen beide Regionen ungefähr 3000 km je nach Reiseroute voneinander entfernt.

Reiseroute

Reiseroute

Theoretisch kann man die gesamte Strecke fliegen, praktisch gibt es bei beiden zentralen Orten nur einen Miniflughafen, der ca. 2 mal pro Woche angeflogen wird. Bei unserer knapp bemessenen Urlaubszeit (Ich hatte vorher viel Urlaub für meine nebenberufliche Dissertation aufgebraucht) passte das nicht in den Zeitplan. Also Auto und Bus auf den jeweils ersten und letzten rund 300 km. Von Bonito zum nächsten größeren Flughafen in Campo Grande ist die Schnellstrasse relativ gut ausgebaut und wir hatten von Brazil Nature Tours einen privaten Fahrer, so dass wir zwischendurch nur einmal angehalten haben. Von Campo Grande aus kann man nicht direkt in den Nordosten fliegen.

Schnellstrasse nach Bonito

Schnellstrasse nach Bonito

Man muss entweder in São Paulo oder in Brasília umsteigen. Bei uns war es São Paulo Guarulhos, der riesige internationale Flughafen. Auf diesem Flughafen bekommt man einen ganz guten Eindruck von dem Moloch São Paulo mit seinen inkl. Umgebung 20 Millionen Einwohnern. Ein unglaublich hektischer riesiger Bienenstock. São Paulo selbst sieht insbesondere bei Nacht aus wie von den Borg assimiliert mit seinen vielen blinkenden Lichtern und leuchtenden Verkehrsadern.

São Paulo, 20 Millionen Einwohner

São Paulo, 20 Millionen Einwohner

Wir hatten nur knapp 1h Zeit zum Umsteigen und waren schon skeptisch, ob unser Gepäck den Fliegerwechsel überhaupt schafft. Fast wären wir im falschen Flugzeug gelandet. Zuerst wurden wir von einem Gate zum anderen mit dem Bus gefahren und dort sollten wir einfach über das Flugfeld zum Flugzeug gehen. Leider standen dort 3 und keiner hatte uns gesagt, in welches wir steigen sollten. Im letzten Moment bemerkte das Bodenpersonal, dass wir auf den falschen Flieger zusteuerten. Okay, weitere 2,5h bis nach Salvador da Bahia, mittlerweile war es 20 Uhr. Tatsächlich kam unser Gepäck ebenfalls in Salvador an. Schnell ging es dann mit dem Taxi ins Hotel. Ankunft kurz vor Mitternacht. Hier erwartete uns die nächste Hürde: die Bustickets für die Weiterfahrt nach Lençois sollten von der Reiseagentur im Hotel hinterlegt worden sein. Hürde deshalb, weil es im Vorfeld organisatorisches Chaos gegeben hatte und das Personal der Nachschicht nicht ein Wort Englisch sprach. Zwar spreche ich etwas Portugiesisch, aber in der Aufregung und wenn es wirklich wichtig ist, klappt das nicht so gut. Irgendwie schafften wir es doch, Nein, keine Tickets hinterlegt. Also am nächsten Morgen neue direkt am Busbahnhof kaufen. Der Bus fuhr um 7 Uhr morgens. Es blieben nach einer Runde frisch machen gerade einmal 4h zum Schlafen übrig. Der Ticketkauf am nächsten Morgen klappte zum Glück problemlos und so kammen wir nach weiteren 7h Busfahrt endlich in Lençois an. Und kein Tourguide da, der uns eigentlich abholen sollte. Im Lonely Planet war allerdings ein Stadtplan und sofanden wir auch allein zum Hotel. Lençois präsentierte sich als niedliches Kolonialstädtchen.

Kolonialstädtchen Lençois

Kolonialstädtchen Lençois

Fazit: Bei so weiten Strecken von einem Ort im Nirgendwo zum anderen Ort im Nirgendwo planen wir demnächst mehrere Tage mit echten Zwischenstopps ein. Das war einfach nur anstrengend. Ein Lob aber an die TAM Airlines. Auf keinem unserer verrückten Flüge gab es Probleme mit dem Anschlussflug und auch das Gepäck kam nie zu spät. Flughäfen sind ja auch das Paradebeispiel für funktionierendes ITIL. Und das funktioniert sogar in dem riesigen, für Fluggäste unübersichtlichem Flughafen Guarulhos.