Seminar Süßwasserbiologie in Hitdorf und Widdauen

In den umliegenden Seen gibt es für unsere Breiten typische jahreszeitliche Schwankungen, was Pflanzen, Tiere und Sichtweiten betrifft. Aber inwiefern unterscheiden sich die Jahreszeiten im See von denen an Land? Was gibt es eigentlich noch an Leben außer Hechten und Barschen zu sehen? Da gibt es im Tauchsport einen Spezialkurs Süßwasserbiologie, wo man Antworten auf diese Fragen bekommt. In einem zweitägigen Kurs angeboten von der Tauchbasis Café Strandgut am Hitdorfer See habe ich dieses Wochenende einen vertieften Einblick bekommen.

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Es gibt eine ganze Menge Leben in so einem Baggersee. Meist ist es aber sehr klein, so dass man es bewusst gar nicht wahrnimmt beim Tauchen. Wir nahmen Wasserproben mit Tieren und Pflanzen am Hitdorfer See und am See Widdauen 2.

An Tieren fanden wir z.B. Süßwasserschwämme, verschiedene Köcherfliegenlarvenarten, Teichschlangen, Dreikantmuschel, Körbchenmuschel, Erbsenmuschel, winzige Süßwasserpolypen, Eintagsfliegenlarven, Wasserflöhe, Muschelkrebse (ganz winzig), Wassermilben, Hüpferlinge, Posthornschnecken und auch Einzeller wie Glockentierchen. Mit Hilfe mikropischer Analysen fanden wir überhaupt erst diese ganzen Winzlinge.

Pflanzen fanden wir z.B. Wasserpest, ähriges Tausendblatt, Wasserhahnenfuß, krauses Laichkraut, Armleuchteralgen, Wassermoos und Grünalgen. Bei den Pflanzen fiel deutlich auf, dass sie nicht so hoch gewachsen waren, wie sie es normalerweise zu dieser Jahreszeit sind. Die Seen befinden sich durch den langen, kalten Winter derzeit noch in einem Vorfrühlingsstadium. Es war viel totes Pflanzenmaterial von letztem Jahr da, aber wenig neues, lebendiges von diesem. Auffällig war auch der Unterschied zwischen dem Hitdorfer See und Widdauen 2. Im Hitdorfer See waren die Pflanzen bereits ein ganzes Stück größer als in Widdauen 2. Das liegt daran, dass in den Hitdorfer See mehr Sonnenlicht fällt, während Widdauen 2 durch umliegende Bäume ziemlich abgeschattet ist. Ein Nachteil des Hitdorfersees in Sachen Bäume ist, dass genau im Westen des Sees Bäume stehen (Westwindzone in unseren Breiten…), die im Frühjahr und im Herbst den Wind als Auslöser der Wasservollzirkulation behindern. D.h. es findet nur schwer eine Durchmischung von Wasserschichten einerseits mit Sauerstoff und andererseits mit Nährstoffen statt.

Eine für mich wichtige Information war auch der Unterschied zwischen eher flachen Seen (bis ca. 15 oder 20m tief) und deutlich tieferen. Im Sommer bilden sich in beiden Sprungschichten, d.h. es gibt ein plötzliches Temperaturgefälle ab einer bestimmten Tiefe. Diese Tiefe liegt bei ungefähr 6m. In flacheren Seen fällt die Temperatur von 22-18 Grad auf ca. 12 Grad. In tieferen von 22-18 auf 6 Grad! In den beiden am Wochenende betauchten Seen gab es hier einen Tiefenunterschied bei der Sprungschicht: Im Hitdorfer See liegt sie aktuell in 4m Tiefe, in Widdauen 2 bei den üblichen 6m. Interessant ist auch der normale zeitliche Verzug der Jahreszeiten in einem See im Vergleich zum Land. In Seen kommt die an Land aktuelle Jahreszeit mit ca. 2 Monaten Verzögerung an. So ist es im Dezember in einem See noch Herbst, statt wie an Land bereits langsam Winter.

Der Süßwasserbiologiekurs macht einem sehr bewusst, was man als Taucher doch alles an Leben vernichtet, wenn man schlecht tariert ist und/oder unbedachte Flossenschläge macht. So ist gerade in Widdauen 2 ein sehr feines Sediment, das durch normalen Flossenschlag (vertikale Bewegung der Beine) auch aus einer Entfernung von einem Meter in riesigen Wolken aufgewirbelt wird. Diese Sedimentwolken setzen sich dann auch auf Pflanzen ab und behindern deren Photosynthese, d.h. sie sterben ab. Eigentlich sollte man einen solchen Biokurs schon sehr bald nach dem ersten Tauchschein machen. Nun ja, ich tauche in den hiesigen Seen auch erst seit letztem Jahr, insgesamt aber schon verdammt lang.

Hier ein paar Fotos aus dem Kurs:

suesswasserschwamm

Dreikantmuscheln

wasserpest

koerbchenmuscheln

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