Verlängertes Wochenende auf Teneriffa? – Ein Kurztripp über große Distanz

Was macht man mit einem unverhofft freien Brückentagwochenende, wenn man gerne unterwegs ist?
Einen Ausflug mit Übernachtung in die nähere Umgebung, ins benachbarte Ausland, Städtetour, etc.
Ein Kollege war letztens in Lissabon. Idee gefiel mir und schnell auf die Suche nach Angeboten zu Flug und Hotel gemacht. Wenig überraschend waren die Preise nicht sooo schön bei einem Brückentagwochenende. Einfach zum Vergleich guckte ich nach Teneriffa, wo wir vor einigen Jahren schon einmal waren. Tatsächlich günstiger. Kurz überlegt, ob 4h Flug Oneway bei einem Kurztrip den Aufwand wert sind und mit Martin schließlich beschlossen, dass das so ist.
So flogen wir von Donnerstag bis Sonntag von Köln aus nach Teneriffa. Geplante Aktivitäten: nur Wandern.

Martin und Nadine vor dem Teide

Martin und Nadine vor dem Teide



Da kommt man mit sehr wenig Gepäck aus. Als Urlaubsort wählten wir Puerto de la Cruz im Norden, der ideale Ort für Wanderausflüge. Warum? Weniger „heißes“ und feuchteres Klima durch den Einfluss des Nordostpassats, schnell erreichbare Wandergebiete. Der öffentliche Nahverkehr ist ebenfalls gut ausgebaut. So fuhren wir zu den Startpunkten der Wanderungen mit normalen Linienbussen. Busfahrpläne, Tarife, etc. erfährt man auf der Website der Titsa, der Busgesellschaft Teneriffas.
Wanderung 1 führte uns mit der Buslinie 345 bis zur Endhaltestelle ins obere Orotavatal, La Caldera de la Orotava.

Sukkulente

Sukkulente

Von 1100m Höhe dort erfolgte der Aufstieg auf 2000m zunächst durch Wälder mit kanarischen Kiefern. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit wachsen Bartflechten an den Kiefern, die wie lange grüne Bärte von den Ästen hängen. Dies erzeugt eine Atmosphäre wie in einem mystischen Märchenwald.

Bartflechten

Bartflechten

Mit zunehmender Höhe öffnen sich die dichten Wälder und bei morgendlichem Sonnenschein wird der Blick auf die Nordküste frei.

Martin im Kiefernwald

Martin im Kiefernwald

Langsam nimmt die Höhe der Bäume und die Dichte des Waldes ab, Lavafelder werden sichtbar. Ab mittag liegt zwischen rund 1000m und 2000m eine dicke Schicht aus Passatwolken im Norden von Teneriffa. Dementsprechend hüllten sich die Lavafelder bereits in Wolken. Geht man hindurch, wirken die Wolken wie dichter Nebel.

Lavafeld in den Wolken

Lavafeld in den Wolken

Als wir den Kamm auf 2000m erreichten, war keine weiter Panoramablick mehr möglich. Wir drehten schnell um und wanderten den gleichen Weg zurück zur Caldera, nun vollständig in den Wolken.
Ursprünglich wollten wir am 2. Tag nur eine Küstenwanderung direkt von Puerto de la Cruz aus machen. Da die Busfahrt am ersten Tag aber so gut geklappt hatte und wir eine direkte Busverbindung in den Teide-Nationalpark entdeckt hatten (Linie 348), entschlossen wir uns, doch hoch Richtung Teide zu fahren. Die Fahrt dauerte nur ca. 20 min länger als die am vorigen Tag. Der Bus fährt allerdings auch nur einmal am Tag morgens hin und nachmittags zurück. Es wurde dementsprechend voll. Auch Mountainbiker luden ihre Räder in den Bus. Wir fuhren bis zum Beginn des Teide-Nationalpark mit, Haltestelle El Portillo.

Titsa Bus

Titsa Bus

Bei strahlendem Sonnenschein und ca. 16 Grad starteten wir unsere Tour auf 2000m Höhe in den Cañadas del Teide, Ziel eine Felsformation, die wie eine Festung aussieht. La Fortaleza entstand durch unterirdisch erstarrte Lava.

La Fortaleza

La Fortaleza

Immer den Teide im Blick liefen wir in baumloser Ebene vorbei an diversen Teidenatternköpfen, Teiderauken und Teideginster (endemische Pflanzenarten). An der Fortaleza selbst wuchsen besonders viele blühende Natterköpfe.

Teidenatternkopf

Teidenatternkopf

Brütende kanarische Turmfalken umsegelten la Fortaleza. Am Rande der Cañadas blickten wir auf die von der Küste heranziehenden Passatwolken und legten ein Picknick ein. Lange konnten wir nicht bleiben, da der Nordostpassat uns doch erheblich abkühlte. Die leichte Wanderjacke allein half nicht mehr. Zurück machten wir noch einen Abstecher nach oben auf la Fortaleza. Hier hatte man einen schönen Blick auf die Cañadas und den Teide selbst.

El Teide

El Teide

Zurück am Ausgangspunkt hatten wir noch etwas mehr als 1h bis der Bus zurück nach Puerto de la Cruz fuhr. An der Haltestelle befindet sich ein Café, wo man relativ windgeschützt die Sonne in der Höhe geniessen kann. Als der Bus kam, wurde er rasch voll. Größtenteils die gleichen Personen wie morgens und nun bis auf den letzten Platz besetzt. Der Busfahrer wusste, dass fast nur Touristen aus der Küstengegend mitfuhren, daher machte er erst in den tieferen Regionen wieder Stops. Es ging teils so schnell in Serpentinen den Berg hinunter, dass nicht jeder Magen die rasante Fahrt gut überstand.
Wir genossen noch den letzten Abend in Puerto de la Cruz in einem netten kleinen kanarischen Restaurant und traten am nächsten Morgen gegen 6 Uhr die Heimreise an.

Restaurant La Papaya

Restaurant La Papaya

Fazit: Wenn man Teneriffa nicht zum ersten Mal besucht, ist auch ein Kurzurlaub schön. Mir hat es sehr gefallen, nach einigen Jahren wieder in der eigentümlichen Landschaft Teneriffas zu wandern.

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