Wandern im Hohen Venn

Was tun, wenn der nächste Urlaub noch weit entfernt ist und man trotzdem raus aus dem Alltag möchte?
Eine andere Umgebung sehen, eine andere Sprache hören. Nur rund 100 km nach Westen fahren und schon sieht alles anders aus. Belgien oder die Niederlande bieten sich an.
An einem typisch rheinischen Wintertag 2015, 5 Grad, wolkig, ab und zu Nieselregen, wurde mir das Ganze zu trist. Wo gibt es denn wenigstens Schnee? Ich wollte außerdem kurz raus aus Deutschland und so kam ich auf das Hohe Venn. Kurzer Hand mieteten Martin und ich ein Auto und fuhren gen Westen. Aachen Lichtenbusch und schon waren wir in Belgien. Mit den Höhenmetern kam tatsächlich der Schnee. Wir fuhren bis zur Baraque Michel. Von dort aus wollten wir ein wenig durch’s Moor bei Schnee wandern. Es war schwer die Stege zu sehen, aber Fussspuren zeigten den Weg. Die Luftfeuchtigkeit war in Windrichtung an den kahlen Birken gefroren. Die verdeckte Landschaft machte uns neugierig. Wie sieht das Moor im Frühjahr aus?

Martin im Schnee

Eis an einer Birke

Die Wanderung bei Baraque Michel machten wir im folgenden Mai noch einmal.
Dieses Mal konnten wir die Moortümpel und die Stege sehen. Ebenso konnten wir die gesamte Wanderung machen und kamen u.a. an uralten Buchen, den Six Hêtres, an und rasteten dort.

Moortümpel

Moorlandschaft

Six Hêtres

Bei den beiden Malen sollten es nicht bleiben. Aus Aachener Zeiten kannte ich noch das Euregioticket. Mit diesem Ticket kann man zu zweit einen ganzen Tag im Dreiländereck Deutschland, Niederlande, Belgien mit regionalen öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, wenn Wochenende ist oder eines der drei Länder einen Feiertag hat. Also, kann man auch irgendwie mit dem Zug zum Hohen Venn? Ja, man kann ab Aachen mit einem Regionalzug bis nach Spa fahren. Der Kurort liegt am Fuße des Hohen Venns und man kann auch von dort Wanderungen ins Moor unternehmen. Von Köln aus dauert die Fahrt zwar über zwei Stunden mit einem alten Bummelzug, aber die lustigen kleinen Bahnhöfe und der Blick in die ostbelgische Landschaft macht etwas her, so dass die Zugfahrt selbst ein Erlebnis ist. Die Wanderung führt an einigen Quellen vorbei. Bei der Barisartquelle habe ich auch einmal das trinkbare Wasser gekostet. Leider scheußlich, es schmeckt unglaublich nach Rost.

Das Hohe Venn ist praktisch ein riesiger Schwamm und gibt sein gespeichertes Wasser in tiefer gelegenen Region am Fuße wieder frei. Teils fließen aber auch Bäche aus dem Moor ins Tal. Eine weitere interessante Wanderung starte z.B. in Bevercé, Malmedy. Rother Wanderführer Ardennen – Hohes Venn, Wanderung Nr. 14. Entlang des Trô-Maret-Baches klettert man teilweise an Felswänden eines kleinen Canyons mit Hilfe eines Stahlseiles. Der wild schäumende Bach weist eine rötlich-braune Färbung durch den Torf des Moores und den hohen Eisengehalt des sonstigen Bodens auf. An vielen Stellen des Canyons läuft Wasser in Form kleiner Wasserfälle von den Wänden. Überall ist es feucht und tropft. Ein wenig hat mich der Anfang dieser Wanderung an ähnliche auf La Palma oder Madeira erinnert. Man steigt bis ins Fagne Setai hoch ins Moor und überwindet dabei ca. 350 Höhenmeter. Unterwegs sieht man immer wieder den geschieferten, sehr quarzhaltigen Sandstein der Region. Gegen Ende kommt an einem Steinbruch vorbei, wo der Sandstein abgebaut wird. Viele Häuser in Ostbelgien sind mit diesem Stein gebaut oder haben wenigsten eine Sandsteinfassade. Das ist so typisch, dass man direkt sieht, wenn man die Grenze von Deutschland aus nach Belgien überquert hat.

Kaskade des Tro Maret Baches

Miniwasserfall

Flechten auf geschiefertem Sandstein

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