Cenotentauchen in Yucatán, Mexico

Cenote Chac Mool

Die Halbinsel Yucatán im Südosten Mexicos bzw. mit den angrenzenden Staaten Guatemala und Belize ist eine wie ein Schweizer Käse durchlöcherte Kalksteinplatte, die ehemals unterhalb des Meeresspiegels gelegen hat.

Heutzutage befindet sich in diesen Kalksteinlöchern sehr oft Süßwasser. Teils sind es Höhlensysteme teils sogenannte Sinkholes, Höhlen deren Decken eingestürzt sind und nun direkt an der Oberfläche liegen. Das Wort stammt von dem Mayawort tz’onot ab, welches Zugang zu trinkbarem Grundwasser bedeutet. Die Maya benutzen Cenoten in all ihren Städten zur Trinkwasserversorgung. Außerdem stellen die Cenoten in ihrem Glauben den Zugang zur Unterwelt dar. Betritt man diese, so begibt man sich in die Welt der Götter. Wer aus einer Cenote wieder hervorkommt, wir „neu geboren“.

So lange die Höhlensysteme noch nicht überflutet sind, bilden sich mittels durch den Kalkstein fliessendes Regenwasser Stalaktiten und Stalagmiten. Diese sind in den heute mit Wasser gefüllten Cenoten noch vorhanden, wachsen aber nicht weiter. Das Kalksteinhöhlensystem Yucatáns hat noch wie vor Zugang zu Meer. Dies führt in diversen Cenoten dazu, dass sich im unteren Teil Salzwasser und im oberen Süßwasser befindet. Beides durchmischt sich nicht und bildet Sprungschichten, sogenannte Haloklinen. Wenn man durch eine Halokline durchtaucht, sieht man innerhalb dieser Sprungschicht nur sehr unscharf, darüber und darunter ist alles meist kristallklar.

Cenoten befinden sich aber nicht nur auf der Halbinsel es gibt sogar welche, die mittlerweile im Meer liegen. Das bekannteste Beispiel ist das von Cousteau entdeckte Blue Hole vor Belize.

Nun aber zu unseren Cenotentauchgängen. Insgesamt haben wir 11 verschiedene Cenoten betaucht. Vorab hatten wir uns auf der Boot entschieden, diese mit den Yucatek Divers zu machen, da Cenotentauchen ein Special dieser Tauchbasis ist. Ursprünglich sollten es nur 2-3 Cenotentauchgänge werden, aber diese spezielle Unterwasserwelt faszinierte uns so, dass es deutlich mehr wurden.

Besonders tief waren die Tauchgänge bis auf einen alle nicht, es spielte sich im Bereich zwischen 5 und 15 m ab. Die Besonderheit war allerdings, dass wir uns meist nach wenigen Metern wirklich im Höhlensystem befanden, wo es bereits stockdunkel ist. Die betauchten Teile gehörten zwar alle noch zum Grottenbereich (nicht mehr als 60m vom Einstieg entfernt), wir hatten aber eben das Gefühl bereits richtig in Höhlen zu stecken. Fast alle Cenotentauchgänge, die wir gemacht haben, fallen daher schon unter Nachttauchgänge.

Im Gegensatz zu dem Tier- und Pflanzenreichtum im karibischen Meer gibt es in den Cenoten deutlich weniger, v.a. natürlich Pflanzen, die ja Licht für die Photosynthese benötigen.

Meist gab es kleine Fische, Krebse und in luftgefüllten Bereichen Fledermäuse und kleine Schwalben. Beim letzten Tauchgang in der Cenote Pet Cemetery (Name bezieht sich auf Tierknochen in der Cenote) konnten wir allerdings sogar einen blinden Höhlenfisch sehen.

Blinder Höhlenfisch, Astyanax fasciatus mexicanus

Das eigentlich interessante an den Cenoten sind allerdings die Stalaktiten und Stalagmiten sowie die Lichtspiele der Sonnenstrahlen bei Löchern in der Höhlendecke sowie den Cenoteneingängen. Die Ersteren gibt es in vielen verschiedenen Brauntönen bis hin zu reinweiß und verschiedensten Formen bis hin zu verdrehten und horizontalen Stalaktiten. Die Lichtspiele erstrecken sich über Blau- und besonders über Grüntöne.

Lichtspiel in Cenote

Zwei Cenoten wiesen allerdings noch eine andere Besonderheit auf, eine trübe von Bakterien gebildete Schicht.

Die Cenote Aktun Ha hat diese Schicht direkt an der Oberfläche. Sie wird von Bakterien gebildet, die Sauerstoff benötigen. Der erste Eindruck, den man bei Einstieg hat, ist: „Iiih, trüb wie ein deutscher See, nur wärmer (29 Grad).“

Bakterienschicht in der Cenote Aktun Ha

Zwei Meter abgetaucht ändert sich das Bild allerdings sofort, wieder das typisch kristallklare Cenotenwasser. Dieses ist übrigens so klar, dass man manchmal vergisst, dass man sich im Wasser und nicht an der Luft befindet.

Stalaktit in Wasser oder in Luft?

Cenoten sind übrigens auch kälter als das Meer, wir hatten meist 25 Grad. In den „kühleren“ Monaten sind sie ca. 23-24 Grad warm.

Die zweite Cenote mit Bakterienschicht war die Angelita. Diese Cenote ist ein echtes Sinkhole, dass bis zu 60m Tiefe herab reicht. Der Ein- und Ausstieg ist auch etwas anders, man muss ca. 1,5 – 2m in die Tiefe springen und am Ende mit einem Seil in voller Montur wieder herausklettern. Auch an der Oberfläche ist das Wasser nicht so klar wie bei den Höhlensystemcenoten. Spannend wird es in 28-30m Tiefe. Dort befindet sich in der Mitte der Cenote eine Insel aus abgestorbenen Bäumen und anderen Pflanzen, die hineingestürzt sind. Diese Insel ist umringt von einer undurchsichtigen Schwefelwasserstoffschicht. Es sieht aus wie in einem nebeligen Geisterwald irgendwo in England.

Schwefelwasserstoffschicht in der Cenote Angelita

Die H2S-Schicht wird von Bakterien gebildet, die die toten Pflanzen zersetzen und keinen Sauerstoff vertragen. Unterhalb der Schicht ist wieder einigermaßen klares Wasser mit Pflanzenresten. Allerdings ist es hier stockdunkel. Beim Durchtauchen der Schicht hielt sich unsere Tauchgruppe im Kreis an den Schultern fest, da innerhalb der H2S-Schicht wirklich null Sicht herrscht. Wichtig außerdem: Nicht in der Schicht auf die Idee kommen, die Maske zu reinigen oder den Atemregler rauszunehmen, das Gemisch ist toxisch. Dennoch bekommt man meist einige Partikel in die Maske und das riecht so nett – nach verfaulten Eiern 😉

Nach Ende des Tauchgangs riecht man übrigens komplett nach H2S. Angenehm in einem Auto mit 9 Tauchern, die gerade in Angelita waren 😉

In Angelita dürfen nur erfahrene Taucher abtauchen. Bedeutet auf jeden Fall mindestens AOWD und einige Tauchgänge nach der Prüfung auf dem Buckel haben. Mit rund 180 insgesamt reichte meine Erfahrung wohl ohne Probleme.

Meine beiden Lieblingscenoten waren Angelita und die zuvor bereits erwähnte Pet Cemetery.

Pet Cemetery gefiel mir wegen der wunderschönen weissen Stalaktiten, dem Höhlenfisch und dem in Sachen Tarierung sehr anspruchsvollen Tauchgang. Der Tauchgang bewegte sich oft in Oberflächennähe, so dass die Computer teils versagten und die Tauchzeit nicht richtig berechneten. Mein Suunto D4 war allerdings noch am präzisesten. Die Mindesttiefe, die noch als Tauchgang berechnet wird, ist bei diesem Computer 1,2m, zumindest im Praxistest 🙂 Es war auch oft sehr eng, was aber eben eine Herausforderung an gute Tarierung war.

Stalaktiten in der Cenote Pet Cemetery

Tauchprofil Pet Cemetery

Weitere Bilder aus den Cenoten auf Flickr.

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