Diving East – Die Goldene Aue

Ein kleiner Ausflug in andere Tauchgewässer als die üblichen rund um Köln führte Martin und mich nach Nordhausen in Thüringen. Die dortigen Seen der Goldenen Aue sollten laut Beschreibung für deutsche Seen sehr klares Wasser haben. Abgesehen davon ist dies das neue Tauchgewässer von Freunden aus unserem Kölner Verein, die es beruflich nach Südniedersachsen verschlagen hat. Der Ausflug wurde also auch zu einem kleinen Treffen genutzt. Von der Oberfläche aus gesehen kommen die Seen der Goldenen Aue recht unscheinbar daher. Sie befinden sich in einem Industriegebiet. Betaucht haben wir zwei der Seen, zuerst den 46m tiefen Möwensee und später mehrfach den nicht ganz 30m tiefen Sundhäuser See. Wahrscheinlich aufgrund der Hitze der vergangenen Wochen war das Wasser nicht mehr so klar wie üblich, vermehrter Algenwuchs? Für uns Kölner aber immer noch ziemlich gute Sicht mit ca. 6m in bläulichem statt grünem Wasser.

Rosa Laichkraut

Rosa Laichkraut

Die Autorin

Die Autorin

Die Seen fallen in die Kategorie oligotroph, also eher nährstoffarm. Der Möwensee als jüngster der Seen bietet bisher kaum Bewuchs, aber eben Tiefe und viele Krebse, es gab Flächen mit vielen Löchern und in jedem sass ein Krebs. Um genau zu sein waren es Edelkrebse, eine in Europa einheimische Art. Bevor es zu den Krebsen ging, verabschiedete sich allerdings mein Tauchcomputer. Auf 37m zeigte er plötzlich eine Wassertemperatur von 0 Grad an, was aufrgrund der Dichteanamolie des Wassers nicht sein konnte. Ich sank weiter bis auf 40m ab und stoppte. Der Computer war allerdings der Ansicht, ich sänke weiter. 52m, 78m und dann nur noch Fehlermeldungen. Nun ja, die Gruppe hatte je noch zwei weitere funktionierende Computer und so ging der Tauchgang ohne weitere Vorfälle weiter.

Edelkrebs

Edelkrebs

Der Sundhäuser See bot deutlich mehr Unterwasserattraktionen. Wir tauchten hier über unterseeische Wiesen (auch in 20m Tiefe) zu einer Freiheitsstatute und einem betauchbaren Wrack, einem Fischkutter. In den Wiesen lagen teils weiße Nebel. Wirkte fast als schwebe man über einem herbstlichen Hochmoor. Der weiße Nebel, biogene Entkalkung? Sicher bin ich nicht.

Freiheitsstatue

Freiheitsstatue

Weißer Nebel in der Wiese

Weißer Nebel in der Wiese

Unterwasserwald

Unterwasserwald

Bei weiteren Tauchgängen sahen wir diverse Barschschwärme mit sehr großen Exemplaren in rosafarbenem Laichkraut, einen kleinen Hecht und viele, sehr große Spiegelkarpfen. Auch diverse Süßwasserschwämme entdeckten wir sowie ganze Armleuchteralgenwiesen. Letztere habe ich zum ersten Mal gesehen.

Süßwasserschwamm am Seil

Süßwasserschwamm am Seil

Armleuchteralgen

Armleuchteralgen

Junghecht im Laichkraut

Junghecht im Laichkraut

Barschschwarm

Barschschwarm

Spiegelkarpfen

Spiegelkarpfen

Ein paar weitere Daten: Die Sprungschicht lag zwischen 6-8m. Darüber waren es 20-23 Grad, darunter recht schnell 7-9 Grad. Im Sundhäuser See war die Sicht bei 20m und tiefer eher schlecht, maximal 3m. Dennoch reichte das Sonnenlicht, dass man keine Lampe benötigte außer um Farben besser zu sehen. Auf 40m im Möwensee benötigte man auch keine, was ich für Süßwasser schon ungewöhnlich finde.

Mein Buddy Martin

Mein Buddy Martin

Süßwasserschwamm

Süßwasserschwamm

Kalt, tief und dunkel… Tauchen im Rursee

In zwei Wochen nehme ich an einem Gruppenführungskurs teil, der auch im Rursee, in der Nordeifel, stattfinden wird. Eigentlich habe ich schon CMAS** und bräuchte diesen Kurs nicht. Nur war das zu Zeiten (1999) als Gruppenführung noch nicht Voraussetzung für den Zwei-Stern-Schein war. Evt. möchte ich den CMAS*** machen und da wird Gruppenführung sehr relevant.

Nun gut, allerdings eine Tauchgruppe führen in einem See, in dem ich noch nie war, finde ich nicht so toll. So ergab sich der heutige Kennenlerntauchgang im Rursee. Gehört hatte ich bereits, dass der sehr dunkel ist, und tief. Ach ja, und kalt. Kalt war aber nicht nur das Wasser, denn der kleine November hat sich ja verlaufen und sollte mal dringend beim Mai abgeholt werden, schließlich ist nächstes Wochendende metereologischer Sommeranfang! Es waren also 6 Grad Lufttemperatur als wir ins Wasser steigen wollten. Wenigstens der Regen hörte auf als wir uns umzogen. Nebel hing noch über dem Rursee.

Rursee

In dieser herbstlichen Atmossphäre beeilten wir uns, in die warmen Halbtrockenazüge mit Eisweste zu kommen, nur die erfahreneren Süßwassertaucher trugen einen Trockenanzug. Der Tauchgang sollte bis auf 40m runter gehen, für trübes und daher dunkles Süßwasser (in tieferen Gefilden jenseits der 10m) verdammt tief. Ich erwartete unten ca. 4 Grad Celsius und wurde nicht enttäuscht: 3 Grad. Was dunkler See bedeutet, weiss ich nun auch. Ab ca. 20m war es ein Nachttauchgang, aber immerhin hatte ich die empfohlene starke Lampe dabei. Alles okay, unterhalb von 10m war das Wasser halbwegs klar, so dass man auch wirklich etwas im Strahl der Lampe sah. Nicht viel, aber immerhin seine Mittaucher, ein paar kleine Fischchen und den Schieferhang.

Schiefer

Womit ich leider nicht gerechnet hatte, war, dass mein Jacket offenbar für kaltes Süßwasser und Tiefen jenseits der 30m etwas wenig Aufriebsvolumen hat. Ich hing plötzlich im Schlick und kam kaum mehr daraus. Zusätzlich hörte ich ein Blubbern an meiner Schulter, das Überdruckventil des Jackets. Wir gingen zügig wieder höher. Wenigstens klappte es noch, sich mit Flossenschlägen aus der misslichen Lage zu befreien. Was ich für eine Schlammschlacht hinterlassen habe, möchte ich lieber nicht wissen.
Bleireduktion ist jedenfalls nicht möglich. An der Oberfläche reichen 4 kg im 7mm-Halbtrocken mit 3mm-Unterzieher mit 5mm-Haube und 5mm-Eisweste gerade zum Abtauchen aus.

Da ich vorerst nicht vor habe, häufiger Expeditionen bei 3 Grad Wassertemperatur jenseits der 30m in unseren Seen zu unternehmen, belasse ich es bei meinem alten Jacket. Der Gruppenführungskurs wird sich zum Glück bei Tiefen um die 20m abspielen.

Es war eine interessante Erfahrung, im Stockdustern bei Temperaturen knapp über Null zu tauchen. Deutlich spürbar war die Kompression des Anzugs in den größeren Tiefen, da wurde mir schon kalt. Kaum waren wir irgendwo um die 15m, fühlte es sich trotz nur geringfügig höherer Temperatur deutlich angenehmer an. Trotzdem, nach 30 min war Schluss. Richtig gefroren habe ich allerdings erst an der Oberfläche nach einigen Minuten im nach wie vor nassen Anzug. Es waren die Füsse, die am stärksten betroffen waren. Zum ersten Mal trotz Hot Sox.