Ein ungeahnter Ausflug in die neuere Geschichte oder warum stehen alte britische Panzer in La Roche-en-Ardenne herum?

Belgien hatten Martin und ich schon vor längerer Zeit als interessantes Wandergebiet entdeckt. Ein Blick in den Ardennen-Wanderführer ergab, dass die Gegend um das Städtchen La Roche-en-Ardenne etwas zu bieten hat. Der Fluss Ourthe hat sich tief in das Bergland der Ardennen eingegraben und tiefe Schluchten hinterlassen. La Roche ist anscheinend auch bekannt für allerlei Outdoor-Aktivitäten wie Kayak fahren, Mountainbiking oder Paragliding. Da es von Köln aus rund 180km zu fahren sind, entschieden wir uns, zwei Nächte in La Roche zu verbringen. Durch eine kurze Recherche fiel die Wahl auf das Hotel La Claire Fontaine, knapp außerhalb des Ortes. Cambio-Auto für 3 Tage an einem Wochenende mit Brückentag gemietet und ab die Post.

Wanderwegweiser

Wir starteten eine erste „kurze“ Wanderung am Ankunftstag, um die Gegend kennenzulernen. In La Roche selbst fielen uns zwei alte Panzer auf. Denen schenkten wir erstmal keine weitere Beachtung sondern begaben uns auf die nördlichen Anhöhen in Richtung eines Wildparks. Bei rund 30 Grad war es ordentlich schwül. Gewitter waren zwar angesagt, aber wir wollten ja nur einen „kurzen“ Spaziergang machen. Wie sich herausstellte, war der Spaziergang doch etwas länger und das Gewitter erwischte uns kurz vor einer Passage mit offenem Gelände. Es war kein einfaches Gewitter sondern eine wahre Sturzflut inkl. Hagel. Irgendwo unterrkiechen ging nicht, also rannten wir los. Die Regencapes hielten erstaunlich dicht. Nur Wanderschuhe bei kurzen Hosen bleiben leider trotz Goretex nicht trocken, wie Martin erfahren musste. Oben regnete es schön rein. Die schönen Aussichten sahen wir leider nicht, vor lauter Sturzflut wollten wir nur am Ende ankommen. Nach ca. 40 min hörte der Regen auf. Das Wasser stürzte aber weiter die Hänge hinab. Wir waren froh, dass wir nicht mit nassen Füssen noch zurück nach Köln fahren mussten, sondern einfach in unser niedliches Hotel gehen konnten.

Sturzfluten

Der zweite Tag begann deutlich kühler, nur ca. 12 Grad morgens, aber mit leckerem Frühstück u.a. mit Ardenner Schinken, selbstgemachtem Brot und Rhabarbermarmelade sowie Croissants. Die zweite lange Wanderung führte schnell aus der Schlucht von La Roche hinauf ins Bergland durch Wälder, über Felder, Wiesen und durch Schluchten mit kleineren Flüssen.

Waldweg in La Roche

Der spannendste Anblick kam jedoch zum Schluss, die Aussicht über das Städtchen La Roche-en-Ardenne. In Kurven legt sich die Ourthe um die altertümlich anmutenden Häuser mit Sandstein und Schiefer-Steinen. Hoch über dem Städtchen tront die mittelalterliche Ruine der Feudalburg de La Roche. Nach ihr ist auch das Stadtbier La Féodale de La Roche benannt.

La Roche en Ardenne

L’Ourthe

Und nun wollten wir dem „Geheimnis“ der alten Panzer nachgehen. Mitten in La Roche gibt es ein Museum zur Ardennenschlacht. Ausgestellt werden allerlei Hinterlassenschaften der an der Ardennenschlacht beteiligten Parteien. Ende 1944 versuchten die Nazis noch einmal, Richtung Westen durchzubrechen und kämpften in den Ardennen gegen amerikanische, britische und kanadische Truppen. La Roche wurde von den Amerikanern bombardiert, um die Nazis zu vertreiben. Dabei wurde der Großteil des kleinen Ardennenstädtchens zerstört. Bei der Befreiung von La Roche fuhren u.a. britische Panzer im Januar 1945 ein. Zwei davon wurden später als Denkmale aufgebaut. Für mich kaum vorstellbar, dass so ein winziges Städtchen (ca. 4500 Einwohner heute) bombardiert werden musste. Die ganzen alten Waffen im Museum zeugen von der Zerstörungsmacht aller beteiligten Parteien. Mir lief ein kalter Schauer beim Anblick über den Rücken.

Britischer Panzer

Abends aßen wir noch auf dem Place du Bronze Ardenner Bouletten (Frikadellen mit Käse-Schinken-Füllung) und beobachteten die vielen Motoradfahrer, die hier wie in der Eifel rumkurven.
Am nächsten morgen traten wir die Rückfahrt an, Zwischenstop in Remouchamps an der Autobahn Lüttich-Bastogne. Hier befindet sich eine der bekanntesten Schauhöhlen Belgiens, die Grotten von Remouchamps.

Stalagtiten in Wasserfallform

Säule „Die Palme“

Bis kurz vor unserem Ardennenaufenthalt hatte ich noch nie davon gehört. Den ersten Teil begeht man zu Fuss. Das ganze Jahr übner herrscht eine konstannte Temperatur von 8-10 Grad. Es gibt einige Stalgmiten und Stalagtiten. Der größte Raum der Höhle mit ca. 40m Höhe wird Kathedrale genannt. Am Ende der Tour fährt ca.700m mit einem Boot über den unterirdischen Fluss Rubikon. Die letzten 80m wurden mit Dynamit freigesprengt. Dennoch muss man den Kopf einziehen, so niedrig ist die Decke. Bei erhöhtem Wasserstand ist die Bootsfahrt nicht möglich.
Für näher an den Ardennen Interessierte hier ein Blogbeitrag auf viel-unterwegs.de über eine Wanderung ganz in der Nähe von La Roche, Im Tal der Feen.

Wandern im Hohen Venn

Was tun, wenn der nächste Urlaub noch weit entfernt ist und man trotzdem raus aus dem Alltag möchte?
Eine andere Umgebung sehen, eine andere Sprache hören. Nur rund 100 km nach Westen fahren und schon sieht alles anders aus. Belgien oder die Niederlande bieten sich an.
An einem typisch rheinischen Wintertag 2015, 5 Grad, wolkig, ab und zu Nieselregen, wurde mir das Ganze zu trist. Wo gibt es denn wenigstens Schnee? Ich wollte außerdem kurz raus aus Deutschland und so kam ich auf das Hohe Venn. Kurzer Hand mieteten Martin und ich ein Auto und fuhren gen Westen. Aachen Lichtenbusch und schon waren wir in Belgien. Mit den Höhenmetern kam tatsächlich der Schnee. Wir fuhren bis zur Baraque Michel. Von dort aus wollten wir ein wenig durch’s Moor bei Schnee wandern. Es war schwer die Stege zu sehen, aber Fussspuren zeigten den Weg. Die Luftfeuchtigkeit war in Windrichtung an den kahlen Birken gefroren. Die verdeckte Landschaft machte uns neugierig. Wie sieht das Moor im Frühjahr aus?

Martin im Schnee

Eis an einer Birke

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