Warm bleiben im kalten Wasser: Trockentauchen

Im Trockentauchanzug beim Silvestertauchen

Im Trockentauchanzug beim Silvestertauchen

Nach über 300 Tauchgängen und dem Abschluss des CMAS***/Dive Leader war es Zeit, sich den Bedingungen in Deutschland besser anzupassen. Das Adrenalin beim Tauchen ist nicht mehr so hoch, d.h. ich friere schneller. Also entschloss ich mich, doch endlich mal einen Trockentauchanzug zu kaufen. Im Trockikurs vor 2 Jahren hatte ich einen Aqualung Whites Fusion One getestet und war damit schon sehr zufrieden bis auf die leicht zu weite Halsmanschette. Mittlerweile war eine Damenvariante, der Whites Fusion Essence herausgekommen. Diesen habe ich mir Ende letzten Jahres dann gekauft. Das Besondere an diesem Trocki ist die elastische Außenhaut, die die innere übergroße Plastiktüte zusammenzieht. D.h. der Anzug liegt ohne große Luftpolster immer gut an. Luft kommt nicht so schnell in Füsse, obwohl man auch das schaffen kann. Die elastische Außenhaut führt allerdings zumindest in meinen Fall auch dazu, dass gerade beim Auftauchen in nicht mehr ganz horizontaler Position schon mal Luft aus der Halsmanschette entweicht. Für das Tarieren ist das einerseits ganz praktisch, man muss nicht viel tun. Andererseits muss man manchmal wieder etwas, inzwischen kalte, Luft aus der Flasche sogar beim Auftauchen nachschiessen, je nachdem wieviel Luft entwichen ist. => Es wird also kalt. So geschehen beim letzten Tieftauchgang im Rursee. Bleibt man beim Auftauchen horizontal, ist alles okay. Damit das besser klappt, verwende ich inzwischen 1 kg Trimblei in den bei den Schulterblättern sitzenden Trimbleitaschen meines Jackets.
Sehr praktisch an dem Anzug ist, dass er wirklich sehr schnell trocknet im Vergleich zu meinem Nasstauchanzug. Einfach wieder einrollen und weg ist das Gerödel.
So wird das Tauchen in kalten, tiefen, dunklen Seen wieder angenehm 🙂

Kalt, tief und dunkel… Tauchen im Rursee

In zwei Wochen nehme ich an einem Gruppenführungskurs teil, der auch im Rursee, in der Nordeifel, stattfinden wird. Eigentlich habe ich schon CMAS** und bräuchte diesen Kurs nicht. Nur war das zu Zeiten (1999) als Gruppenführung noch nicht Voraussetzung für den Zwei-Stern-Schein war. Evt. möchte ich den CMAS*** machen und da wird Gruppenführung sehr relevant.

Nun gut, allerdings eine Tauchgruppe führen in einem See, in dem ich noch nie war, finde ich nicht so toll. So ergab sich der heutige Kennenlerntauchgang im Rursee. Gehört hatte ich bereits, dass der sehr dunkel ist, und tief. Ach ja, und kalt. Kalt war aber nicht nur das Wasser, denn der kleine November hat sich ja verlaufen und sollte mal dringend beim Mai abgeholt werden, schließlich ist nächstes Wochendende metereologischer Sommeranfang! Es waren also 6 Grad Lufttemperatur als wir ins Wasser steigen wollten. Wenigstens der Regen hörte auf als wir uns umzogen. Nebel hing noch über dem Rursee.

Rursee

In dieser herbstlichen Atmossphäre beeilten wir uns, in die warmen Halbtrockenazüge mit Eisweste zu kommen, nur die erfahreneren Süßwassertaucher trugen einen Trockenanzug. Der Tauchgang sollte bis auf 40m runter gehen, für trübes und daher dunkles Süßwasser (in tieferen Gefilden jenseits der 10m) verdammt tief. Ich erwartete unten ca. 4 Grad Celsius und wurde nicht enttäuscht: 3 Grad. Was dunkler See bedeutet, weiss ich nun auch. Ab ca. 20m war es ein Nachttauchgang, aber immerhin hatte ich die empfohlene starke Lampe dabei. Alles okay, unterhalb von 10m war das Wasser halbwegs klar, so dass man auch wirklich etwas im Strahl der Lampe sah. Nicht viel, aber immerhin seine Mittaucher, ein paar kleine Fischchen und den Schieferhang.

Schiefer

Womit ich leider nicht gerechnet hatte, war, dass mein Jacket offenbar für kaltes Süßwasser und Tiefen jenseits der 30m etwas wenig Aufriebsvolumen hat. Ich hing plötzlich im Schlick und kam kaum mehr daraus. Zusätzlich hörte ich ein Blubbern an meiner Schulter, das Überdruckventil des Jackets. Wir gingen zügig wieder höher. Wenigstens klappte es noch, sich mit Flossenschlägen aus der misslichen Lage zu befreien. Was ich für eine Schlammschlacht hinterlassen habe, möchte ich lieber nicht wissen.
Bleireduktion ist jedenfalls nicht möglich. An der Oberfläche reichen 4 kg im 7mm-Halbtrocken mit 3mm-Unterzieher mit 5mm-Haube und 5mm-Eisweste gerade zum Abtauchen aus.

Da ich vorerst nicht vor habe, häufiger Expeditionen bei 3 Grad Wassertemperatur jenseits der 30m in unseren Seen zu unternehmen, belasse ich es bei meinem alten Jacket. Der Gruppenführungskurs wird sich zum Glück bei Tiefen um die 20m abspielen.

Es war eine interessante Erfahrung, im Stockdustern bei Temperaturen knapp über Null zu tauchen. Deutlich spürbar war die Kompression des Anzugs in den größeren Tiefen, da wurde mir schon kalt. Kaum waren wir irgendwo um die 15m, fühlte es sich trotz nur geringfügig höherer Temperatur deutlich angenehmer an. Trotzdem, nach 30 min war Schluss. Richtig gefroren habe ich allerdings erst an der Oberfläche nach einigen Minuten im nach wie vor nassen Anzug. Es waren die Füsse, die am stärksten betroffen waren. Zum ersten Mal trotz Hot Sox.