Hochlandregenwald und Vulkanebene auf La Réunion

Nächster Ausgangspunkt für Wanderungen war die Stadt St. Pierre im Südwesten. Sie bildet mit der oberhalb gelegenen Stadt Le Tampon eine wichtige Wirtschaftsregion Réunions. Im schönen neuen Hotel Les Battantes des Lames und direkter Umgebung genossen wir den Sonnenuntergang am Strand. Baden war aufgrund von Haien aber nicht angesagt. In St. Pierre wird einiges an interessanten Biersorten gebraut, u.a. von der Brauerei Picaro. Besonders gut hat uns das Exotic IPA geschmeckt.

Haiwarnschild

Picaro Exotic IPA

Ziel am nächsten Tag war der Hochlandregenwald Forêt de Bélouve auf ca. 1500m Höhe. Dieser Wald ist ein echter Primärwald/Urwald, der Mensch hat hier den Wald nicht verändert. Besonders schön sind hier die vielen riesigen Baumfarne. Wir starteten an der Gîte de Bélouve, eine einfache Unterkunft für Wanderer, unsere Tour durch Tamarindenwälder, vorbei an besagten Baumfarnen bis zum Trou de Fer, über das ich schon mit dem Helikopter geflogen war.

Baumfarne im Forêt de Bélouve

Unterwegs begann es zu regnen. Das letzte Stück zum Trou de Fer führte über viele Wurzeln und tiefe Matschlöcher, denen man nicht entgehen konnte. Mehrfach versanken wir tief im Matsch. Der Ausblick in das Höllenloch belohnte aber für die “Drecksarbeit”.

Trou de Fer

Der Rückweg war etwas einfacher und führte vorbei an einem hübschen kleinen See. Leider regnete es immer mehr. Völlig aufgeweicht und eingematscht kamen wir wieder an der Gîte de Bélouve an. In Frankreich ist die Infrastruktur für Wanderer sehr gut ausgebaut, daher gab es hier zwei Wasserhähne, an denen wir uns säubern konnten. Das Wanderbuch hatten wir auch während den Wanderungen nicht gebraucht. Die Wegweiser waren alle sogar mit Zeitangaben versehen, die für uns sehr gut hinkamen.
Am nächsten Tag hatten wir deutlich mehr Glück mit dem Wetter. Früh um ca. 6 Uhr noch vor Sonnenaufgang fuhren wir Richtung Piton de la Fournaise. Erstmal via Le Tampon auf das zentrale Hochplateau und ab Plaine des Cafres weiter auf Serpentinen bis auf 2000m Höhe. Die Bäume wurden immer kleiner bis schließlich gar keine mehr da waren. Hinter einer Abbruchkante hörte die Vegetation schlagartig komplett auf. Wir waren auf der Plaine des Sables angekommen, eine Ebene mit Lavasand. Die Straße war mittlerweile nur noch eine Erdpiste mit tiefen Schlaglöchern. Praktisch im Schritttempo fuhren wir die letzten 3-4km. Vom Pas de Bellecombe eröffnete sich der Blick auf die Lavaebene des Piton de la Fournaise, der Enclose Fouqué. Mitten auf der Ebene liegt ein kleinerer rotorangefarbener Krater, der Cratère du Formica Léo, der Ameisenlöwe.

Cratère du Formica Léo

Zunächst muss man die Abbruchkante Rempart de Bellecombe 300m hintersteigen auf den Enclose Fouqué. Dies ist nur erlaubt, wenn der Vulkan aktuell inaktiv ist. War er, also entschieden wir uns für die ganz lange Wanderung auf den Hauptkrater, den Cratère Dolomieu mit einer Höhe von 2522m. Die Wolkendecke ließ bald Regen vermuten, aber immerhin kann sich eine harte Lavaebene nicht in einen Matschpfad verwandeln. Es kam kein Regen, stattdessen klarte es auf. Über verschiedene Arten von Lavaformen, Stricklava, Brockenlava, Fladenlava, sowie Fladenlava in Form rundlicher “Blubs” wanderten wir mit vielen anderen Leuten zum Kraterrand hinauf.

Stricklava

Neuere Lava von 2007-2014 präsentierte sich fast schwarz.
Oben angekommen hatten wir im Sonnenschein eine freien Blick auf den leicht rauchenden Krater.

Cratère Dolomieu

Kurzes Picknick und schon zogen Passatwolken zum Krater. Wir konnten noch sehen, wie sie in den Krater hineinzogen und ihn schließlich verhüllten. Es wurde windig und kühl, aber die Passatwolken waren nicht so feucht wie vor einem Jahr am Soufrière auf Guadeloupe. Wir könnten den Rückweg also trocken hinter uns bringen.

La Réunion…noch nie gehört, wo ist denn das?

Durch einen Artikel über Tauchen auf Inseln wurde ich auf La Réunion aufmerksam, ein französisches Überseedepartement im Indischen Ozean. Einige Recherchen und Dokufilme später fand ich La Réunion immer noch spannend aber weniger für’s Tauchen geeignet, denn es finden dort regelmäßig Haiangriffe statt. Diese betrafen zwar nur Surfer und Schwimmer, aber trotzdem. Allerdings liegt nur 200 km entfernt Mauritius, fast komplett von einem Saumriff umgeben und so gut wie keine Haie dort.

Es reifte die Idee, auf La Réunion zu wandern und auf Mauritius zu tauchen. Réunion ist mit seinen hohen Bergen bis rund 3000m Höhe, dadurch bedingt verschiedensten Klima- und Vegetationszonen, sowie einem der aktivsten Vulkane der Erde ein tolles Natur- und Wanderparadies. Sogar einen Rother Wanderführer für die Insel gibt es. Ostern startete unsere 3-wöchige Reise Richtung Indischer Ozean. Erster Anlaufpunkt war der Badeort St. Gilles les Bains auf Réunion. Von dort unternahm ich einen Helikopterrundflug rund um die Insel mit Helilagon. Einen Tag vorher wird man angerufen, ob der Flug tatsächlich statt findet und zu welcher Uhrzeit genau. Abholung beim Hotel inklusive. Bei absolutem Topwetter ging es über steile Berge, Abbruchkanten und Talkessel. Das Highlight war der Spiralflug am steilsten Wasserfall der Insel, dem Trou de (En-)Fer, dem Höllenloch. Spektakulär, aber etwas anders konnte einen da schon werden. Der aktive Vulkan Piton de la Fournaise verhielt sich ruhig beim Überflug, rauchte nur leise vor sich hin. Vieles, was ich beim Inselrundflug von oben gesehen hatte, besuchten wir vom Boden aus.

Helikopter von Helilagon

Cilaos

Als Erstes folgte das Bergdorf Cilaos im Talkessel von Cilaos. Über äußerst kurvige enge Straßen fuhr Martin uns im Mietwagen hoch auf rund 1200m Höhe. Von Cilaos starteten wir zu Fuß direkt vom Hotel Le Vieux Cep aus insgesamt drei Wanderungen. Das rund 5 Grad kühlere Klima als an der Küste begünstigt solche Unternehmungen. Die erste ca. 1,5h lange führte uns zum Bassin Bleu, einem kleinen wirklich bläulich anmutenden Bassin in einem Flusslauf. Wassertemperatur 20 Grad. Die zweite Wanderung verlief steil hinunter vom Hochplateau des Dorfes Cilaos hinunter zum Fluss Bras Rouge bis zu einer schmalen Schlucht namens La Chapelle, wo von 10-12 Uhr Sonnenlicht durchfällt. Wasserschuhe nicht vergessen, da der Bras Rouge durchquert werden muss und es barfuß doch etwas sehr rutschig wird.

Bassin Bleu

La Chapelle

Am Abend gab es in einem netten Dorfrestaurant Spezialitäten des Ortes zu Essen, u.a. geräucherten Entenschenkel, Linsen und Schwarzen Pudding. Letzterer stellte sich als Blutwurst heraus.

Vor unserer Weiterfahrt zum nächsten Ort wanderten wir noch zum besten Aussichtspunkt über den Talkessel von Cilaos, La Roche Merveilleuse.