Wind, Regen oder nicht Regen – Was tun bei Antizyklonwetterlage?

Der Antizyklon bei Mauritius brachte am Ende der ersten Woche heftigen Wind. Boot fahren, um zu tauchen… nicht so toll. Also fuhren wir mit dem öffentlichen Bus in die Hauptstadt Port Louis. Für eine ca. 45 minütige Fahrt von Flic en Flac zahlt man nicht ganz einen Euro pro Person. Viel günstiger als sonstige Touristenfahrten auf Mauritius. Die Busse sind allerdings meist etwas älter, nicht klimatisiert und können auch etwas schmuddelig sein. Zur Rushhour quetscht man sich zu dritt auf Sitze, die in Europa eher für zwei Personen konzipiert wären. Also ein klein bisschen abenteuerlich 🙂

Busstation Port Louis

In Port Louis bestiegen wir zuerst den Signal Hill, ein Hügel, von wo aus früher Schiffe in den Hafen und wieder heraus gelotst wurden. Von dort hat man einen tollen Blick über die Stadt und die sie umgebenden Berge. Wieder unten angekommen stand der bunte und geschäftige Zentralmarkt auf dem Programm. Für uns etwas viel Gewusel, so dass wir schnell wieder rausgingen. Als letzten Punkt hatten wir das Einkaufszentrum Caudan Waterfront nahe des Hafens auf dem Programm. Schöne Geschäfte, ein Kino, diverse Restaurants und das Museum mit der blauen Mauritius.

Zentralmarkt Port Louis

Am nächsten Tag hatten wir eine Wanderung geplant, da Mauritius einen Nationalpark mit vielen ursprünglichen Pflanzen und Tieren hat. Der Black River Gorges Nationalpark befindet sich im bergigen Teil der Insel, u.a. mit dem höchsten Berg der Insel mit 828m. Niedlich im Vergleich zu Réunion 🙂
Mit einem Taxi fuhren wir zu einem Besucherzentrum auf dem Hochplateau. Die Wanderung sollte der Maccabeetrial sein. Dieser führt vom hochgelegenen Besucherzentrum Le Petrin zu einem tiefer gelegenen direkt beim Black River. Der Taxifahrer sollte uns unten wieder abholen.
Mittlerweile war allerdings der regnerische Anteil des Antizyklons angekommen. Bei Le Petrin regnete es also ordentlich. Wir zogen direkt unsere Regensachen über und gingen trotzdem los. Die Beschilderung war uns zu Beginn nicht ganz klar, so dass wir mehrfach unsere Karte vom Taxifahrer herausholten. Diese war sehr bald durchweicht. Nachdem schließlich ein Wegweiser in Richtung Besucherzentrum Black River auftauchte, gingen wir frohen Mutes weiter. Und es hörte auch auf zu regnen. Ein paar schöne Ausblicke über Berghänge mit Wasserfällen wurden jetzt sichtbar.

Black River Gorges Nationalpark

Nun begann der steile Part der Wanderung und dann gleich noch mit vielen Wurzeln und Matsche. Die Matschlöcher waren zum Glück nicht so tief wie auf Réunion. Unterwegs hörten und sahen wir einen Weißschwanztropenvogel, Wappentier von Air Mauritius, und Mauritiussittiche. Letztere sind eng verwandt mit Halsbandsittichen. Also ein vertrauter Anblick, lustigerweise, da es in Köln mehrere Halsbandsittichkolonien gibt. Nach dem langen steilen Stück standen wir plötzlich vor einem Fluss. Der Weg ging auf der anderen Seite weiter! So schöne Wanderführer mit guten Beschreibungen wie für Réunion gibt es für Mauritius leider nicht und so waren wir doch etwas überrascht. Es gab eine nicht tiefe Stelle und so reichte Schuhe ausziehen. Ein paar Meter gegangen und schon wieder eine Flussüberquerung, wieder Schuhe aus. Und noch mal, aber ohne Schuhe ausziehen da es hier Steine zum Drüberlaufen gab. Jetzt kam zum Glück keine weitere Flussüberquerung mehr. Wir waren am Besucherzentrum Black River angekommen.
Gerne hätten wir noch eine weitere Wandertour auf Mauritius unternommen. Leider häuften sich die Regenfälle im Hochland und wurden stärker. Noch mehr Matsch und reißende Flüsse mussten nicht sein. Tauchen ging zum Glück, da das Wetter an den Küsten zwar wenig Sonne aber kaum Regenfälle bot. Etwas mehr wollten wir aber dennoch von Mauritius sehen und so buchten wir eine Tour durch den Südwesten. Der Großteil fand im Hochland statt und dies leider an dem Tag mit dem heftigsten Dauerregen. Dem Trou des Cerfs, einem mit Wasser gefüllten Vulkankrater, schenkten wir keine 5 min, kurz ein Foto im Nebel des Regens und wieder ab in den Touribus. Auch der heilige See Ganga Talao soff im Dauerregen ab. Der Fußweg rund herum war völlig überflutet.

See Ganga Talao

Als der Regen mal kurz eine Pause machte, sahen wir uns den reißenden Chamarellwasserfall und die siebenfarbige Erde, eine von Pflanzen freie Stelle mit verschiedenen farbigen Mineralien vulkanischen Ursprungs, an.

Chamarell Wasserfall

Siebenfarbige Erde

Der Besuch der Rumfabrik in Chamarel bestand praktisch nur aus Rumtasting. Für die Erläuterungen zur Rumherstellung prasselte der sintflutartige Regen zu laut auf das Dach der Rumfabrik. Geschmeckt hat mir nur der Rhum arrangée, Rum mit Früchten versetzt. Die anderen puren Rumsorten waren Rhums agricoles, direkt aus Zuckerrohrsaft hergestellte Rumsorten. Diese haben keinerlei süßen Geschmack. Da es Standardrums und keine Premiumsorten waren, schmeckten alle für mich einfach nur nach Schnaps.
Von den 3 Landausflügen haben mir die 2 selbstorganisierten sehr gut gefallen. Ob die gebuchte Tour bei besserem Wetter gut abgeschnitten hätte, weiß ich nicht.

Hochlandregenwald und Vulkanebene auf La Réunion

Nächster Ausgangspunkt für Wanderungen war die Stadt St. Pierre im Südwesten. Sie bildet mit der oberhalb gelegenen Stadt Le Tampon eine wichtige Wirtschaftsregion Réunions. Im schönen neuen Hotel Les Battantes des Lames und direkter Umgebung genossen wir den Sonnenuntergang am Strand. Baden war aufgrund von Haien aber nicht angesagt. In St. Pierre wird einiges an interessanten Biersorten gebraut, u.a. von der Brauerei Picaro. Besonders gut hat uns das Exotic IPA geschmeckt.

Haiwarnschild

Picaro Exotic IPA

Ziel am nächsten Tag war der Hochlandregenwald Forêt de Bélouve auf ca. 1500m Höhe. Dieser Wald ist ein echter Primärwald/Urwald, der Mensch hat hier den Wald nicht verändert. Besonders schön sind hier die vielen riesigen Baumfarne. Wir starteten an der Gîte de Bélouve, eine einfache Unterkunft für Wanderer, unsere Tour durch Tamarindenwälder, vorbei an besagten Baumfarnen bis zum Trou de Fer, über das ich schon mit dem Helikopter geflogen war.

Baumfarne im Forêt de Bélouve

Unterwegs begann es zu regnen. Das letzte Stück zum Trou de Fer führte über viele Wurzeln und tiefe Matschlöcher, denen man nicht entgehen konnte. Mehrfach versanken wir tief im Matsch. Der Ausblick in das Höllenloch belohnte aber für die “Drecksarbeit”.

Trou de Fer

Der Rückweg war etwas einfacher und führte vorbei an einem hübschen kleinen See. Leider regnete es immer mehr. Völlig aufgeweicht und eingematscht kamen wir wieder an der Gîte de Bélouve an. In Frankreich ist die Infrastruktur für Wanderer sehr gut ausgebaut, daher gab es hier zwei Wasserhähne, an denen wir uns säubern konnten. Das Wanderbuch hatten wir auch während den Wanderungen nicht gebraucht. Die Wegweiser waren alle sogar mit Zeitangaben versehen, die für uns sehr gut hinkamen.
Am nächsten Tag hatten wir deutlich mehr Glück mit dem Wetter. Früh um ca. 6 Uhr noch vor Sonnenaufgang fuhren wir Richtung Piton de la Fournaise. Erstmal via Le Tampon auf das zentrale Hochplateau und ab Plaine des Cafres weiter auf Serpentinen bis auf 2000m Höhe. Die Bäume wurden immer kleiner bis schließlich gar keine mehr da waren. Hinter einer Abbruchkante hörte die Vegetation schlagartig komplett auf. Wir waren auf der Plaine des Sables angekommen, eine Ebene mit Lavasand. Die Straße war mittlerweile nur noch eine Erdpiste mit tiefen Schlaglöchern. Praktisch im Schritttempo fuhren wir die letzten 3-4km. Vom Pas de Bellecombe eröffnete sich der Blick auf die Lavaebene des Piton de la Fournaise, der Enclose Fouqué. Mitten auf der Ebene liegt ein kleinerer rotorangefarbener Krater, der Cratère du Formica Léo, der Ameisenlöwe.

Cratère du Formica Léo

Zunächst muss man die Abbruchkante Rempart de Bellecombe 300m hintersteigen auf den Enclose Fouqué. Dies ist nur erlaubt, wenn der Vulkan aktuell inaktiv ist. War er, also entschieden wir uns für die ganz lange Wanderung auf den Hauptkrater, den Cratère Dolomieu mit einer Höhe von 2522m. Die Wolkendecke ließ bald Regen vermuten, aber immerhin kann sich eine harte Lavaebene nicht in einen Matschpfad verwandeln. Es kam kein Regen, stattdessen klarte es auf. Über verschiedene Arten von Lavaformen, Stricklava, Brockenlava, Fladenlava, sowie Fladenlava in Form rundlicher “Blubs” wanderten wir mit vielen anderen Leuten zum Kraterrand hinauf.

Stricklava

Neuere Lava von 2007-2014 präsentierte sich fast schwarz.
Oben angekommen hatten wir im Sonnenschein eine freien Blick auf den leicht rauchenden Krater.

Cratère Dolomieu

Kurzes Picknick und schon zogen Passatwolken zum Krater. Wir konnten noch sehen, wie sie in den Krater hineinzogen und ihn schließlich verhüllten. Es wurde windig und kühl, aber die Passatwolken waren nicht so feucht wie vor einem Jahr am Soufrière auf Guadeloupe. Wir könnten den Rückweg also trocken hinter uns bringen.