Eine Nacht in der schwimmenden Bambushütte

In einer Doku über den Khao Sok Nationalpark hatte ich schon etwas über den dortigen Dschungel und Stausee gesehen. Auch rund den Stausee erheben sich imposante Kalksteinfelsen.

Kalksteinberge

Im See selbst gibt es eine mystische Landschaft mit toten Bäumen, auch unter Wasser. In einem sehr warmen See ohne die in Europa vorhandenen Thermo-Sprungschichten hin zu 4-Grad-kaltem Wasser in der Tiefe wollte ich gerne mal tauchen. Leider ergab sich, dass nur früher mal (Sport-)Tauchausflüge dorthin angeboten wurden. Heutzutage höchstens noch für zertifizierte Höhlentaucher. Stausee und umgebender Dschungel reizte mich aber dennoch. Es gibt dort Übernachtungsmöglichkeiten in schwimmenden Bambushütten. Martin und ich hatten vor 5 Jahren eine Tour mit Übernachtung im Zelt im Grenzgebiet zwischen Mexico und Belize mitgemacht. Die Urwaldgeräusche des nachts bzw. zu Sonnenauf- und -untergang waren besonders beeindruckend. Ein ähnlich spannendes Erlebnis erhoffte ich mir in Khao Sok. Die Khao Sok Übernachtungstour wurde für unseren Aufenthalt passend von Dienstag auf Mittwoch angeboten. Mittwoch war mein Geburtstag => Geburtstagsgeschenk :-)

Morgens um 7 Uhr wurden wir im Hotel in Khao Lak abgeholt. Als Gepäck nur einmal Wechselklamotten mit langen Ärmeln und Hosenbeinen gegen Moskitos dabei sowie festes Schuhwerk in Form von Joggingschuhen. Schon beim Frühstück in Khao Lak wehte ein kühler Wind am Strand. Ein Ausläufer eines Taifuns über den Philippinen.
Im letzten Ort vor Wechsel des Fahrzeugs kauften wir noch ein paar vereinzelte Lebensmittel ein, die es im Bambushüttencamp nicht gab. U.a. Bananen, ein paar Dosen Bier und ein Fläschen Thai-Rum sowie Limetten. Unser Thai-Tourguide war 2 Jahre als Barkeeper auf Kreuzfahrtschiffen der TUI in Europa unterwegs gewesen und wollte uns später Cocktails mixen. Wenn man mehr als nur einen Tag von einem lokalen Guide begleitet wird, kommen die Gespräche manchmal auch auf persönliche Dinge. So auch hier. Wir sprachen über Familie und Altersvorsorge in Deutschland im Vergleich zu Thailand. Familie hat in Thailand einen hohen Stellenwert auch deshalb, weil es praktisch keine staatliche Altersvorsorge gibt. Kinder sind die Altersvorsorge. So machte sich unser Guide schon einige Gedanken, da er bereits 30 war, zwar eine Freundin, aber eben nicht verheiratet und keine Kinder hatte. Da wir offensichtlich kinderlos waren, fragte er, wie wir das machen. Wir erläuterten ihm daraufhin die Möglichkeiten in Deutschland.
Das ging schon recht tief. Glücklicherweise kam nicht das Thema Religion auf. Da hatten wir uns vor 2 Jahren in Bali etwas in die Nesseln gesetzt als wir uns naiv als keiner Religion angehörig “outeten”.
Nach dem Einkaufstopp fuhren wir bis zum Bootsanleger am Stausee nahe dem Damm und stiegen auf ein Longtailboot um. Mit diesem fuhren wir vom einen Ende des Sees an das andere im tiefsten Dschungel. Die Fahrt dauerte zwei Stunden. Währenddessen veränderte sich die Landschaft. Zu Beginn umrahmten bis zu 900m hohe, dicht bewachsene Kalksteinberge den See. Nach rund der Hälfte der Fahrt ging die Landschaft in deutlich niedrigeren Urwald über. Bei Ankunft begrüßte uns eine junger Elefantenbulle. Dieser bekam ein paar Bananen von unserem Guide (Ah, für den waren die!).

Elefant

Wir brachten unsere Taschen in unsere Bambushütte und es gab erstmal ein einfaches Thai-Mittagessen in der Aufenthaltshütte mit Küche. Die Schlafhütte war mit einer dünnen Matratze und zwei Decken sowie einer außen liegenden Glühbirne ausgestattet. Strom gab sogar 24h lang. Etwas abenteuerlich war der Weg zu den Toiletten. Der erste Holzsteg vom Hüttenbereich zum “Festland” sank bei Betreten etwas ins Wasser. Der zweite Holzsteg war nicht richtig festgenagelt und rutschte auch schon mal weg. Zweimal landete ich mit einem Fuss im Wasser. Die Toiletten selbst hatten als “Spülung” eine Tonne Wasser mit einer Schöpfkelle drin. So ungefähr hatte ich es aber auch erwartet.

Bambushütten

Erstmal ne Runde im See schwimmen und die Bambushütte ausprobieren. Das Seewasser war wirklich angenehm warm, aber leider so trüb, dass sich weiteres Schnorcheln nicht lohnte. Es folgte die erste Tierbeobachtungsfahrt per Boot. Wir sahen Hornvögel, Affen, Eisvögel, Fischadler, Warane, Rehe und Wildschweine. Gegen Sonnenuntergang wurde es mit dem ständigen Wind etwas frisch.

Waran auf Baumstumpf

Versunkener Baum

Vor dem Abendessen zogen wir uns alles an, was mit genommen hatten. In der Aufenthaltshütte gab es Massamancurry. Ein eher süßliches Curry beeinflusst von den muslimisch geprägten Regionen Südostasiens. Wer es doch etwas scharf haben wollte, konnte eine Chili-Fischsauce dazugeben, scharf, salzig mit Knoblauch. Wie die Fischsauce hergestellt wird, möchte man als Europäer lieber nicht wissen ;-)
Dazu mixte uns unser Guide Mojitos mit dem Thai-Rum. Ein bisschen angeheitert starteten wir mit dem Boot zur Nachtsafari, nachtaktive Tiere beobachten. Der Bootsfahrer hatte keinen Cocktail getrunken. Besser so, wenn man praktisch ohne Licht ein Boot im Dunkeln steuert. Am schönsten wäre es gewesen, hätte man lautlos wirklich ohne Licht fahren können. Für die Suche wurde zwischendurch Taschenlampenlicht und natürlich der laute LKW-Motor des Longtailbootes benötigt. In den Momenten ohne Licht und Lärm sah man tausende oder gar Milliarden von Sternen so ganz ohne die großstädtische Lichtverschmutzung und konnte den Zikaden und anderen Dschungelgeräuschen ungehindert lauschen.
Im erneut aufleuchtenden Schein der Taschenlampe funkelten plötzlich zwei Augen zurück. Wir näherten uns an. Die beiden Augen gehörten einer Bengalkatze. Eine Fellzeichnung ähnlich einem Leoparden, von der Größe her irgendetwas zwischen Wildkatze und Luchs. Der Bengalkatze folgten wir noch eine Weile. Anschließend fanden wir hauptsächlich Rehe.
Langsam etwas müde kehrten wir zum Bambushüttencamp zurück. Eigentlich wollten wir noch etwas von dem mitgebrachten Bier trinken. Die Aussicht, etwas beduselt nachts zur Toilette über die wackeligen Holzplanken zu laufen, führten allerdings zu der Entscheidung, dies lieber sein zu lassen. Voll angezogen krochen Martin und ich unter die Decken in unserer Hütte. Leider konnten wir nachts keinen Dschungelgeräuschen mehr lauschen. Der Wind rüttelte so laut an unserer Hütte, dass nichts anderes mehr hörbar war.
Am nächsten Morgen war frühes Aufstehen angesagt, Frühsafari! Gegen 5.45 Uhr wachten wir allerdings eh auf. Etwas frisch machen und noch kurz einen Instantkaffee trinken und los ging es. Keine wesentlich neuen Erkenntnisse zum Vortag. Langsam wurde Longtailbootfahren etwas anstrengend. Aber nun gab es erstmal Frühstück. Für unseren Thai-Guide etwas auf Reisbasis, für uns Spiegelei mit ein paar Brotscheiben.

Aufenthaltshütte

Holzplanken bei den schwimmenden Bambushütten

Nun folgte der letzte Teil der Khao Sok Tour: Dschungelwanderung. Bedeutete Wechsel von langer auf kurze Hose, um ggf. Blutegel besser entdecken und entfernen zu können. Wir erhielten auch Blutegelabwehrsocken, die bis zum Knie reichten. Und tatsächlich hatte jeder von uns mindestens Blutegel an den Socken. Unser Guide und der Bootsfahrer hatten allerdings auch welche auf der Haut. Zum Glück nicht weiter schlimm, aber die Bisstellen bluten etwas nach wegen Gerinnungsstopper im Speichel der Egel.
Zu guter Letzt mussten wir nach der Wanderung wieder die zwei Stunden über den Stausee bis zum Bootsanleger fahren. Mittlerweile tat mir der Rücken weh vom ewigen Longtailboot fahren. Immerhin konnten wir noch einmal richtig die Aussicht auf die dicht bewachsenen Kalksteinberge umgeben von blaugrünem Seewasser genießen.
Eine verrückte Tour, aber sie sehr viel Spass gemacht.

Dschungelwanderung mit Blutegelsocken

Kalksteinfelsen

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